Tomb Raider – Fazit

Tomb Raider war eines dieser Spiele wo ich dachte „Das muss ich auch noch irgendwann mal spielen“. Es wurde in der Öffentlichkeit zwar gelobt, bekam aber doch nie die Aufmerksamkeit, die Bioshock Infinite von allen Seiten bekam. Und nachdem ich es jetzt in ca. 18 Stunden durchgespielt habe frage ich… WARUM? TR wischt für mich in fast allen Belangen mit BSI den Boden auf.

Grafisch geben sich beide nichts würde ich sagen. Wärend BSI auf einen eher bunten Comic-Look setzt, versucht TR möglichst realistisch auszusehen. Und das macht es verdammt gut. Die Level sind nicht nur im Aufbau super designt, sondern strotzen nur so vor liebevollen Details. Eine Location sieht atemberaubender aus als die andere. Es passiert weit mehr als einmal, dass ich stehen geblieben bin und einfach nur den Anblick genossen habe. Mein „Screenshot-Indikator“ sagt 181 Screen und damit einen mehr als bei BSI. ;)
Wo die Level gut aussehen, dürfen die Charaktermodelle sich keine Schwächen leisten, um das Gesamtbild nicht zu stören. Auch hier macht TR alles richtig. Besonders Lara ist wirklich liebevoll designt. Vor allem der Übergang vom kleinen Mädchen zur abgerissesen Abenteurerin ist ein Traum. Lara bekommt nach und nach Verletzungen, ist Blut überström und am Ende ist ihre Kleidung ganz schön mitgenommen. Zum Vergleich mal zwei Bilder. Beides mal steht Lara von dem selben Spiegel, doch liegen ca. 10 Spielstunden dazwischen und man sieht es ihr total an.

Aber auch die anderen Charaktere sind mit vielen liebevollen Details ausgstattet, so dass das Spiel einfach atemberaubend schön ist.

Die Animationen sind ebenfalls auf einem extrem hohen Niveau. Bewegungsabläufe sehen nie künstlich aus und wenn sich Lara durch einen schmalen Gang schleicht, in der einen Hand die Fackel und die andere zur Seite ausgestreckt um sich leicht an der Wand abzustützen, oder sich beide Hände zum Schutz vor starkem Wind auf einer Brücke vors Gesicht hält, dann merkt man wieviel Details und Herzblut der Entwickler in diesem Spiel stecken.
Dazu passt dann auch das Treffer-Feedback, das durch die tollen Animationen der Gegner richtig wuchtig rüberkommt. Da schlägt es Gegner nach hinten, wenn sie eine Ladung Schrot abbekommen oder sie halten sich den Kopf nach Kopftreffern um dann glaubwürdig zu Boden zu gehen.

Zum grafischen Gesamteindruck gibt es dann noch die passende Soundkulisse. Die Musik ist toll, Geräusche der Umgebung sind passend und atmosphärisch, Schüsse satt, Schreie der Gegner stimmungsvoll und die Sprachausgabe ist top. Ich habe TR natürlich auf deutsch gespielt und fand die Lokalisierung gut und die Sprecher wissen jederzeit zu überzeugen. Einzig Lara, augerechnet die Hauptdarstellerin, leistet sich ab und an mal eine kleine Schwäche, wo das „ich armes, kleines Mädchen“ etwas gekünstelt rüberkommt. Aber diese Moment sind wirklich extrem selten und stören den Gesamteindruck in keinster Weise.

Die Inszenierung orientiert sich extrem stark an Uncharted. Atemberaubende Kameraschwenks, tolle Einstellungen wärend den Dialogen und die ganzen liebevollen Details, wie im starken Wind abbrechende Brückengelänger usw. Jetzt so kurz nach dem Durchspielen, würde ich sagen, dass TR Uncharted sogar übertrumpft. Das liegt aber wohl auch daran, dass man so gut wie nie solche Gegnermassen entgegen geworfen bekommt wie bei UC und vor allem, weil man viel öfter mal den Leistreter miemt, was auch durch den Bogen und die Schleichangriffe von hinten sehr gut funktioniert. Dadurch vermittelt einem das Spiel viel mehr das Gefühl von Bedrohung, auch wenn man in TR durch das heimliche Vorgehen Gegnergruppen leichter ausschalten kann. Dieses düstere, dreckige macht da wohl den Unterschied.
Was mich bei der Präsentation etwas gestört hat, war die am Anfang doch recht oft vorkommende, starke Wackelkamera. Aber die ist wirklich nur am Anfang so extrem und soll wohl den Stress simulieren, der die unbedarfte Lara am Anfang noch mit voller Wucht erwischt.
Dass das Spiel sehr linear aufgebaut ist stört eigentlich auch nie, zumal es dadurch zu so gut wie keinem Backtracking kommt.

Zusammengefasst ist Tomb Raider im gesamten audiovisuell einfach nur der Hammer!

Jetzt aber mal zum Gameplay.
Die Steuerung ist absolut präzise. Sowohl in Kämpfen, was das Zielen, Ausweichen und Deckung suchen angeht, als auch bei den Sprung- und Rätselpassagen. Man hat jederzeit die absolute Kontrolle über das was man macht und nicht einmal hat irgendein Hakeln gestört. Dabei habe ich TR ausnahmsweise mit Maus und Tastatur gespielt, was ich normal bei 3rd-Person Action-Spielen nie mache (normal spiele ich die mit Gamepad). Was mir allerdings gefehlt hat war eine Taste, mit dem man generell geduckt laufen kann. Im Endeffekt braucht man die zwar nicht, weil Lara bei Anwesenheit von Gegner (bevor sie entdeckt wurde) automatisch etwas tiefer läuft und sich auch sonst ohne weiteres Zutun hinter Deckungsmöglichkeiten versteckt, aber trotzdem hatte ich öfter mal den Wunsch hier und da gebückt zu laufen. Ich schiebe das einfach mal auf die dichte Atmsosphäre.
Das einzige was nicht so optimal ist, ist die Waffenauswahl. Irgendwie kam da öfter mal die Reihenfolge der Waffen durcheinander. Musste ich das eine mal das Mausrad nach unten drehen, um vom Bogen auf die Schrotflinte zu wecheln, so war das nächste mal plözlich noch die Pistole dazwischen. Ich hatte so das Gefühl, das hängt davon ab, welche Waffe man in der Hand hatte bevor mal an ein Lagerfeuer ging um irgend eine Waffe zu verbesser, oder welche Waffen man verbesser hat. So richtig durchgestiegen bin ich da nie. Gewöhnt man sich aber an die Zahlentasten der Tastatur zu benutzen, hat man dieses Problem nicht. Und irgendwann muss man das eh machen, weil man so durch die Feuermodi der Waffen durchschaltet. Hört sich jetzt etwas seltsam an, ist aber eigentlich nicht wirklich schlimm.

Die Story ist schon irgendwie das übliche Abenteuer-Mystery-Zeug, was man aus früheren Tomb Raider Teilen und später auch Uncharted schon kennt. Aber es wird toll erzählt, ohne das die Entwickler sich in all zu undurchsichtigen Wendungen verstrickt hätten *zu BSI schau*. Dabei wird das Spiel nie langweilig, was wohl auch an der spielerischen Abwechslung liegt. Man hat immer ein klares Ziel vor Augen, merkt aber auch schon früh worauf das ganze hinaus läuft, so dass das Ende keine wirklich große Überraschung ist.
Dazu kommt, dass Lara ständig neue Fertigkeiten lernt und ihre Waffen nach und nach verbessert. Für diese Verbesserungen muss man überall in der Welt rumliegendes „Bergungsgut“ einsammeln, wodurch zumindest bei mir ein ausgeprägter Erkundungsdrang geweckt wurde. Wer möchte kann dann noch auf die Suche nach Artefakten und Geo-Cachings gehen oder Dokumenten suchen, die einem mehr Hintergrundinfos zu dem geben, was auf der Insel passiert ist. Man findet dabei aber auch mehr über die eigene Crew herraus. Diese Artefakte, Geo-Cachings und Dokumente geben einem XP, mit denen man dann bei Levelaufstiegen die oben erwähnten Fertigkeiten freischalten kann.

Was mich etwas überrascht hat war, wie brutal TR ist. Nicht nur das in den Kämpfen der rote Saft ordentlich rumstritzt, auch die Level sind teilweise echte Schlachtkammern und mit heftigen Szenen wird auch nicht gegeizt. Was ich öfter mal gelesen habe war, dass sich Leute aufregten, dass Lara zwar rumjammert und sich sogar beim ersten getöteten Reh entschuldigt, danach aber wie ein Berserker durch die Feindreihen pflügt. Natürlich stimmt das schon irgendwie, aber da kann ich persönlich schon ganz gut zwischen Story und eigentlichem Gameplay unterscheiden, so dass es bei mir keinen störenden Eindruck hinterlassen hat. Lara befindet sich nun mal in einer echten Ausnahmesituation und muss halt tun, was eine Frau nun mal tun muss. ^^

Abschließend würde ich sagen, es muss schon viel passieren, damit am Ende vom Jahr mein Spiel des Jahres nicht Tomb Raider heißt. Story, Gameplay und das Audiovisuelle haben mich einfach total überzeugt. Mehr noch als es Bioshock Infinite getan hat, wo mir die Story dann doch etwas ZU verschwurbelt war.
Für jeden, der auf Actionspiele, tolle Inszenierung und einen Hauch von Mystery steht, kann ich da nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Wer es bis heute noch nicht gespielt hat, sollte das auf jeden Fall noch nachholen. Zumal es mittlerweile wirklich schon für kleines Geld zu bekommen ist.

MfG Druzil

Ein Kommentar zu “Tomb Raider – Fazit

  1. Na, da bin ich mal gespannt. Uncharted ist ja auch eines der vielleicht 5 Spiele, für die sich eine Konsole überhaupt lohnt, deshalb habe ich mir Tomb Raider dann schließlich auch geholt, aber natürlich noch nicht gespielt.

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